Vida wien kollektivvertrag

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Nach Angaben von Gewerkschaftsvertretern von GPA-djp und vida wurden keine einseitigen Initiativen zu den oben genannten Themen ergriffen. Darüber hinaus müssen offene Stellen geschlechtsneutral ausgeschrieben werden, und die Inserate muss den tariflichen Mindestlohn für die Stelle und eine Erklärung über die Bereitschaft des Arbeitgebers enthalten, mehr als den Mindestlohn zu zahlen. 2016 wurde eine Verpflichtung eingeführt, Teilzeitbeschäftigte über anstehende Vollzeitstellen zu informieren: Wenn ein Arbeitgeber plant, eine Vollzeitstelle oder eine Stelle mit einer höheren Stundenzahl anzukündigen, sollen die Teilzeitbeschäftigten des Arbeitgebers vorher informiert werden. Auf diese Weise können interne Arbeitnehmer, die ihre Arbeitszeit erhöhen wollen, zuerst gelten – dies gilt vor allem für weibliche Arbeitnehmer aufgrund der hohen Inzidenz weiblicher Teilzeitarbeit in Österreich. Während 2011 Österreichs größte Gewerkschaft, die Gewerkschaft der Angestellten, grafischen Angestellten und Journalisten (GPA-djp), vorschlug, regelmäßig spezifische Tarifrunden für Frauen abzuhalten, um ihre Gehälter zu erhöhen und Österreichs hohes geschlechtsspezifisches Lohngefälle zu verringern, wurde dies nie umgesetzt. Daher gibt es keine regelmäßig wiederkehrenden Initiativen der Sozialpartner, die darauf abzielen, das geschlechtsspezifische Lohngefälle zu schließen. Gleichzeitig wurde in vielen Tarifverträgen in den letzten Jahren die Anerkennung von Ruhesteinen (Eltern, Pflege, Hospiz) für Lohnerhöhungen angesprochen, von denen vor allem Arbeitnehmerinnen profitieren, da sie in der Regel längere Urlaubszeiten in Anspruch nehmen als Männer. Aus historischen Gründen (bittere Klassenkämpfe in der Ersten Republik, Erfahrungen des Austrofaschismus und des Nazi-Regimes) ist das charakteristische Merkmal der Zweiten Republik ein starkes Bekenntnis zum Prinzip der harmonischen Zusammenarbeit. Im System der Arbeitsbeziehungen fand dieses Prinzip organisatorisch Seinen Ausdruck in der Schaffung kollektiver Interessenorganisationen, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer vertreten, die weit über die parteipolitischen Linien hinweg und frei von Rivalität sind.

Die Grundstruktur dieses Engagements für eine harmonische Zusammenarbeit in Österreich ist das System der Sozialpartnerschaft. Im Hinblick auf die gesellschaftlichen Werte bedeutet dies die Bereitschaft der Regierung und der kollektiven Organisationen, alle sozialen und wirtschaftlichen Fragen zum Gegenstand von Verhandlungen zu machen, um zu einvernehmlichen Lösungen zu gelangen. Institutionell ist die Sozialpartnerschaft ein komplexes System, das auf der Mitbestimmung innerhalb des Establishments auf Mikroebene, dem Tarifverhandlungssystem auf Meso-Ebene und dreiseitigen und zweiseitigen Formen der Konzertierung auf Makroebene aufbaut. Während die Regierung einen ausschließlichen Kreis von Sozialpartnerorganisationen an allen wirtschafts- und sozialpolitischen Entscheidungen miteinflößt, bleibt die Regelung der Beschäftigungsbedingungen im Rahmen des ArbVG die autonome Provinz der Arbeitsmarktparteien. Der Kernbereich der Arbeitsbeziehungen bleibt frei von substanziellen staatlichen Eingriffen. In Österreich ist der Abschluss von Tarifverträgen im Wesentlichen auf den privaten Sektor beschränkt. Diese Vereinbarungen werden fast ausnahmslos auf sektoraler Ebene mit mehreren Arbeitgebern ausgehandelt. Die Gewerkschaften für Arbeiter und Angestellte bilden in der Regel eine Verhandlungsgemeinschaft, so daß die vereinbarten Lohnerhöhungen in den meisten Fällen für beide Kategorien von Arbeitnehmern gleich sind. Die meisten sektoralen Tarifverträge decken das gesamte Staatsgebiet ab, und in einigen Fällen werden sie auch auf Provinzebene (Land) abgeschlossen. Tarifverträge sind rechtsverbindlich. Seit Ende der 80er Jahre ist eine Tendenz zur “organisierten Dezentralisierung” der Tarifverhandlungen zu beobachten. Infolgedessen gewinnt die zwischen den Sozialpartnern auf Unternehmensebene geschlossene Betriebsvereinbarung als Instrument zur Regelung der Beschäftigungsbedingungen zunehmend an Bedeutung, als Teil der allgemeinen Tendenz zu mehr Flexibilität, insbesondere in Bezug auf Arbeitszeit und – bis zu einem gewissen Grad – Lohn.